Doppia W Ultratrail

Öf Trailguide

Christoph "Öf" Öfele

Meine Leidenschaft Berge versuche ich hier mit Euch zu Teilen.

Bericht vom Doppia W Ultratrail

Nachdem ich mich am Gardasee schon auf die sommerlichen Temperaturen südlich des Alpenhauptkamms einstellen konnte hatte ich die Hoffnung im Valtellina besser mit der Hitze umgehen zu können.
Bevor ich jedoch an den Start des Rennens ging lief ich zwei Wochen vorher die Strecke schon mal ab um mich besser auf die Herausforderungen einstellen zu können. Geteilt in zwei fast gleich lange Touren (36km/35km) war meine Übernachtungsstation das Rifugio Malghera. Gelegen auf knapp 2000m findet man dort Erholung pur, gerade auch wegen der hervorragenden Küche. Ein Besuch dort ist wirklich sehr empfehlenswert. Nachdem ich also die Knackpunkte des Rennens nun kannte fühlte ich mich top vorbereitet.
Da ich leider die beiden Wochen vor dem Rennen gut mit Arbeit eingedeckt war habe ich nur einmal Laufen gehen können, vielleicht lags auch da dran, daß das Rennen anders verlief als erhofft 🙂

Raceday

Am Start um fünf Uhr morgens war ich bester Dinge. Alles lief super und wie immer konnte ich nicht wirklich gut schlafen. Drecks Aufregung. Daran bin ich aber inzwischen gewöhnt und machte mir diesbezüglich keine weiteren Gedanken. Noch den obligatorischen Espresso vom Veranstalter erhalten und dann zum Aufwärmen. Der Start war unspektakulär wohl weil die Veranstalter um Ihre Strecke wussten. Die hats nämlich in sich. Erstmal gings 2100hm rauf bis auf 2600m zum Passo Portone. Das Stück ging mir leicht von der Hand, naja eher leicht aus den Füßen.

Die erste Schlüsselstelle ist ein ca. 1,2km Gratabschnitt. Weglos. Felsig. Seilversichert. Teilweise 2er Kletterstellen. Definitiv nix für schwache Nerven. Aber wirklich ein Traumabschnitt. Links am Horizont der König Ortler und zur rechten der Piz Palü. Mega. Da muß man auch einfach mal anhalten und sich die Aussicht pressen.
Wenn man den Grat verlässt und meint es wird nun leichter, leider nein. Bocksteiles Wiesengelände (ca.45 Grad) meist weglos und wenn Steigspuren vorhanden sind, sind diese vom langen Gras verdeckt. Demzufolge ist der Downhill bis zur Waldgrenze einfach richtig schei.. Mich hats auch gleich zweimal glegt. Zumindest wusste ich ab wanns wieder besser wird. Ein kleiner taktischer Vorteil. Sobald man den Wald erreicht gehts nämlich auf Traumtrails in die Schweiz. In San Romerio gabs die erste längere Pause an der bereits vierten Verpflegungsstation. Gut gestärkt nahm ich die Strecke Richtung nächsten Paß in Angriff. Auch hier lief alles noch wie am Schnürchen. Über den Passo di Malghera gings wieder nach Italia. Ein kurzen Downhill noch zum Rifugio Malghera. Dort konnten wir unser am morgen abgegebenes Carepaket in Empfang nehmen. Gels, Riegel, Sonnencreme. Neue Socken gabs dann doch keine, weil die getragenen (Wrightsocks) super sitzen und null rubbln. Noch auf Platz 11 liegend verließ ich die Hütte und das Abenteuer begann nun erst. Die ersten Krämpfe nervten und Laufen fiel mir plötzlich schwer. Blick auf die Uhr: Kilometer 37! AAAHHHH… des sind ja noch 34km! Kacke, das wird eng. Bis km 45 hats super Lauftrails, die ich aber schon fast komplett gehen musste statt zu Laufen. Am nächsten Checkpoint gabs nen Masseur, der meine Beine auch ordentlich knetete. Anschließend gings wieder etwas leichter. Problem war nur, daß nun die nächste Schlüsselstelle auf mich bereits wartete. „Il muro“, die Mauer. Megasteiles Blockgelände, nur große Schritte. Da passierte es dann. Ein krasser Krampf im Wadl. Ein lauter Schrei von mir und ein besorgter, den Berg herunter laufender, Streckenposten eilte mir zu Hilfe. Erst nach ca. 15 min konnte ich weiterhumpeln. Verdammt, noch immer 22km. Für die nächsten 4km benötigte ich sage und schreibe 2 Stunden. Leicht taumelnd und benommen vor Schmerz erreichte ich das Rifugio Schiazzera.
Was soll ich machen? Abbrechen? Das wär das leichteste und sicherste. Bin ich dazu hunderte von Trainingskilometern und tausende von Höhenmetern gelaufen? Sicher nicht. Also erstmal hinlegen, Sinne sammeln, Trinken, Trinken, Trinken. Nach 30 Minuten stand meine Entscheidung fest. Ich hab noch 7 Stunden bis ich im Ziel sein muß und es geht fast nur noch bergab. Was solls, wenn nix mehr geht leg ich mich hin und roll ins Ziel 🙂

Also hab ich mich an der Verpflegung abgemeldet für den funny downhill 🙂 mit krampfenden Haxen is der dann doch überhaupt nicht funny musste ich feststellen. Egal. Dann gings halt nur bergab, ohne Spaß. Dem Kopf gings nun auch besser und ich konnte klare Gedanken fassen. Wo waren nochmal die Brunnen die Wasser führen? Wann kamen die kurzen Gegenanstiege? Alles war plötzlich klar und strukturiert. Der Körper leer und völlig am Ende, der Geist hellwach und Herr der Lage. Ich denke deswegen kam nun auch der Spaß zurück. Ich erwischte mich immer wieder grinsend und lachend beim langsam Laufen. Unglaublich was ein Mensch in der Lage ist zu Leisten. Eine letzte Verpflegungsstation in Tirano und die letzten 5km lagen vor mir. Leider waren die Beine so leer, daß ich keinen Meter mehr Laufen konnte. Aber alle Menschen die mir begegneten feuerten mich an. Vielleicht aus Mitleid meinem Gesichtsausdruck gestundet, oder weil Italiener offene, geile Menschen sind. Wer weiß, war mir in dem Moment auch völlig wurscht. ZIEL, das war mein einziger Gedanke. Und das kam immer näher. Selbst als ich nur noch 100m hatte konnte ich noch immer nicht Laufen. Es krampfte am Schienbein, in der Wade, am Oberschenkel hinten und vorne, Bauchmuskeln und Rückenmuskeln. ZIELDURCHLAUF! ok, Durchgang oder Kriechen triffts besser, aber war mir völlig gleich. Ich habs gefinished! Den Tränen (vor Freude, nicht Schmerz) nahe verließ ich den Zielbereich sofort. Ab zum Auto. Kühles Blondes, erst alkoholfrei und dann a Scharfe (Bayerisches Exportbier auch Helles genannt 😉 )
Die Nacht im von der Sonne gut gewärmten Bus war nicht sonderlich erholsam, dennoch konnte ich am Sonntag die Heimfahrt antreten.
Mal schaun was als nächstes Abenteuer ansteht.

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